Polizeimeister-Ausbildung und knallhartes Training

„Olympia wäre cool, aber ich mache mir keinen Druck“

Winterberg. (ske) Auf dem Weg nach Peking 2022: Wenn einer Hannah Neise vor einem Jahr prophezeit hätte, dass sie im Weltcup starten und in der neuen Saison in den Olympiakader für die Spiele in Peking 2022 aufsteigen würde, den hätte die Skeleton-Pilotin des BSC Winterberg „für verrückt“ erklärt. „Dass ich in der letzten Saison im Weltcup gestartet bin, die Junioren-WM gewonnen habe und bei der Weltmeisterschaft im Februar 2021 den siebten Platz belegt habe, damit habe ich niemals gerechnet“, betont die 20-Jährige im Gespräch mit der Medienabteilung des Sportzentrums Winterberg (SZW). In der Woche nach Ostern hat die Bundespolizeimeister-Anwärterin das Training wiederaufgenommen und bereitet sich zielgerichtet auf die neue Saison vor. „Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 in Peking wäre cool, aber ich mache mir keinen Druck, ich bin ja noch jung.“

SZW: Hannah, Du hast das knallharte Training nach Ostern wiederaufgenommen, parallel dazu drückst Du die Schulbank für die Bundespolizeimeister-Ausbildung in Bad Endorf. Wie sieht momentan Dein Alltag aus?

Neise: Der ist schon ungewohnt, rund neun Stunden Unterricht in Fächern wie Staats- und Verwaltungsrecht, nach der Schule dann Training mit Läufen, Sprüngen und Kraftübungen. Momentan geht es ums Grundlagentraining, das anstrengend, aber notwendig ist.

SZW: Bevor wir auf die neue Saison mit dem Höhepunkt Olympia 2022 in Peking eingehen, werfen wir einen Blick in die vergangene Saison. Weltcup-Teilnahme mit unter anderem Rang vier in St. Moritz und Rang fünf in Winterberg, siebter Platz bei der WM in Altenberg, Gold bei der Junioren-WM: Wie sieht Dein Fazit aus?

Neise: Damit hatte ich niemals gerechnet. Wenn einer mir eine solche Saison mit der Teilnahme am Weltcup vorausgesagt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt. Vorgenommen hatte ich mir, mal am Weltcup zu schnuppern. Insgesamt war alles schon ganz gut. Auch der siebte Platz bei der WM in Altenberg war gut, auch wenn mehr drin gewesen wäre. In zwei der vier Läufe habe ich jeweils die drittbeste Zeit erzielt.

SZW: Du giltst als eine coole, zurückhaltende junge Frau, die sich kaum aus der Ruhe bringen lässt. Bundestrainer Christian Baude hatte Dir bei Deinen ersten Weltcup-Starts keinen Druck gemacht. Aber es kam anders …

Neise: Vor dem Start beim ersten Weltcup-Rennen in Sigulda, eine meiner Lieblings-Bahnen, war ich unglaublich nervös, das kenne ich eigentlich nicht von mir. Danach hatte ich mich aber an die Situation gewöhnt. Ein Vorteil war auch, dass keine Zuschauer an den Bahnen waren, sodass ich später weniger Druck verspürte. Auf der anderen Seite haben meine Familie und Freunde zu Hause mitgefiebert, sie wollte ich natürlich nicht enttäuschen.

SZW: Aufgefallen ist, dass Dir die längeren Bahnen besser liegen und Du im letzten Drittel der Strecke stets beim Top-Speed dabei bist. Was sind die Ursachen?

Neise: Bekannt ist, dass ich keine Startrakete bin. Fahrerisch kann ich auf jeden Fall mithalten, damit auch eine gute Fahrlinie finden und in der Regel springen dann Höchstgeschwindigkeiten im unteren Teil heraus. Verbessern muss ich mich auf jeden Fall am Start. Auch an der Konstanz muss ich arbeiten, das heißt bei Weltcups zwei konstant gute Läufe ins Ziel bringen, bei einer WM oder Olympia vier.

SZW: Stichwort Olympia: Wie siehst Du Deine Chancen auf eine Teilnahme?

Neise: Eine Teilnahme an den Spielen in Peking wäre cool, aber ich lasse alles auf mich zukommen. Zum vorolympischen Event im Oktober fahren jeweils vier Mädels und Jungs aus dem deutschen Kader nach Peking. Wenn ich dabei bin, dann steigen die Chancen auf eine Olympia-Teilnahme. Ich mache mir aber keinen Druck, ich bin jung, habe noch Zeit, Cortina 2026 ist auch eine erstrebenswerte Option.

SZW: Hannah,was machst Du am 4. Februar 2022?

Neise: Das weiß ich natürlich noch nicht. Ich hoffe aber, dass ich an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teilnehmen kann.

SZW: Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück auf dem Weg nach Peking.

Das gesamte Interview ist auf Youtube als auch als Podcast auf den gängigen Plattformen zu finden.

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